Bericht von Ursula Schröer
Am 25. September sind wir bei strahlend schönem Herbstwetter mit dem Busunternehmen Diehl zu unserem Sonntagsausflug nach Amorbach gestartet. Nach einer ca. einstündigen Fahrt hatten wir unser Ziel erreicht und konnten uns erst einmal mit fränkischer Küche für unser Unternehmen stärken.
Die Stadtführerin holte uns direkt an unserer idyllisch gelegenen Gaststätte ab, so daß wir ohne Umwege gleich das Städtchen erkunden konnten.
Zunächst erfuhren wir, daß sich nicht der Liebesgott Amor in der Stadtbezeichnung verbirgt, sondern daß sich darin die ursprüngliche Flussbezeichnung Amerbach findet. Sinnige Mönche erfanden im hohen Mittelalter einen hl. Amor, wiesen ihn als Gründer des Klosters aus und nannten es fortan Amorbach. Die Ansiedlung neben dem Benediktinerkloster entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Dorf, das 1197 als „Amarbach“ erstmals urkundlich belegt ist.
Ein Spaziergang durch die engen, verwinkelten und kopfsteingepflasterten Gassen führte uns vorbei an der katholischen Kirche, dem alten Rathaus, dem Hotel Post, in dem schon Th. Adorno wohnte, zeigte uns mit den verschiedenen Ständeschildern die frühere Zugehörigkeit zu dem Erzstift Mainz.
Nach einer Kaffeepause in der ehemaligen Klostermühle, heute „Café Schloßmühle“, hatten wir dann den Höhepunkt unseres Ausflugs, die Abteikirche, erreicht. Sie wurde 1742 – 1747 durch den Kurmainzer Hofbaumeister Maximilian von Welsch errichtet und von den bedeutendsten Künstlern des Rokoko ausgeziert. Von großer Bedeutung ist die berühmte Barockorgel aus der Orgelwerkstatt Stumm. Leider kann die Orgel bei Führungen nicht mehr gehört werden. Allein im Prospekt, also der Vorderseite, sind rund hundert Orgelpfeifen zu sehen. Die ganze Orgel besteht insgesamt aus über 5000 Orgelpfeifen und nimmt damit die Größe eines Hauses ein.
Als die Säkularisierung 1803 die Aufhebung aller geistlichen Herrschaft brachte, kamen das Kloster und der Mainzer Besitz an das Fürstentum Leiningen. Die Abteikirche – richtiger gesagt „Fürstliche Kirche“ - ist heute im Privatbesitz der protestantischen Familie zu Leiningen und damit eine evangelische Kirche. Dies war für uns eine große Überraschung, da die Region zu 80% katholisch ist und gerade dieser Prachtbau nun evangelisch ist. Es finden allerdings nur im Sommer die Gottesdienste in der Kirche statt, da die Kirche keine Heizung hat. Im Winter wird der Gottesdienst in dem – wahrscheinlich bescheideneren – Gemeindehaus gefeiert.
Wir besichtigten noch den im klassizistischen Stil gestalteten „Grünen Saal“ der Abtei, der heute auch für Feierlichkeiten gemietet werden kann, und die Bibliothek. Nachdem wir dort noch mit unseren Filzpantoffeln mit vereinten Kräften das wunderschöne Parkett poliert hatten, steuerten wir unseren Bus zur Heimfahrt an.
Die Heimfahrt verlief etwas stiller als die Anreise, denn alle waren voller Eindrücke und auch etwas erschöpft. Nachdem uns der Busfahrer „fast vor der Haustüre“ abgesetzt hatte, fand ein schöner Tag sein Ende.